Kriegselefäntchen

Pyrrhus’ Feldzug in Süditalien, 280–275 v. Chr.

Pyrrhus, König von Epirus und ein Großcousin zweiten Grades Alexanders des Großen, eilte den von Rom bedrohten griechischen Städten Süditaliens zu Hilfe. Zweimal schlug er die römischen Truppen — bei Herakleia 280 v. Chr. und bei Asculum 279 v. Chr. Laut Plutarchs Anekdotensammlung soll Pyrrhus auf die Glückwünsche zu seinem Sieg geantwortet haben: „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren“ — oder, in einer anderen Überlieferung: „… und wir haben keine Soldaten mehr.“

Der König zählte seine Verluste vermutlich nicht nur an Menschen, sondern auch an Elefanten.

Die Griechen begegneten Kriegselefanten erstmals während Alexanders Perserfeldzug (340–330 v. Chr.). Schon ihr bloßes Erscheinen war furchteinflößend — doch auf ihren Rücken trugen sie hölzerne Türme, aus denen Bogenschützen und Speerwerfer ihre Feinde attackierten. Mit der Zeit lernten die Griechen nicht nur, sich gegen sie zu behaupten, sondern sie schließlich selbst einzusetzen.

Seleukidisches Tetradrachmon, ca. 296–281 v. Chr.

Pyrrhus selbst landete mit zwanzig Elefanten in Italien. Von diesen zwanzig verlor er zehn. Zum Glück für sie gerieten acht lebend in römische Gefangenschaft, und nach dem — einen, aber entscheidenden — Sieg bei Beneventum 275 v. Chr. führte man diese Elefanten im Triumphzug des siegreichen Feldherrn Curius Dentatus durch Rom.

Tiepolo: Der Triumph des Curius Dentatus, ca. 1725–29, Eremitage – „Primus Curius Dentatus in triumpho duxit elephantos“ („Curius Dentatus war der Erste, der Elefanten im Triumphzug mitführte“, Seneca, De brevitate vitae 8,13)

Der Anblick dieser seltsamen Tiere, die man in Rom noch nie gesehen hatte, muss großes Aufsehen erregt haben — nicht nur während des Triumphs selbst, sondern schon in den Wochen davor, als das siegreiche Heer, wie es der Brauch verlangte, außerhalb der Stadtmauern auf dem Campus Martius wartete — damals noch unbebaut, heute das Herz der Renaissancestadt Rom — bis der Senat die Erlaubnis zur Prozession erteilte.

Davon zeugt eine etruskische Schale, gefunden in Capena und heute im Museo Nazionale Etrusco der Villa Giulia in Rom. Sie wurde mit großer Wahrscheinlichkeit als eine Art Souvenir des Triumphs verkauft oder verteilt — ähnlich wie zwei vergleichbare Schalen, die in Nursia und im korsischen Aléria entdeckt wurden.

Auf der Schale sehen wir einen der gefangenen Elefanten in voller Kampfausrüstung, auf dem Rücken einen Mahout und einen hölzernen Turm mit zwei Soldaten — vermutlich dargestellt während des Triumphzuges oder in dessen Vorbereitung.

Und besonders bemerkenswert: Der Elefant wird von einem Kalb begleitet. Es handelt sich ganz offensichtlich nicht um ein Fantasiewesen — eine verräterische, nach dem Leben gemalte Geste entlarvt es: Das Kleine klammert sich mit seinem Rüssel an den Schwanz oder das Bein der Mutter.

Das Kalb spielte zudem eine Rolle beim römischen Sieg selbst. Wie Dionysios von Halikarnass in seinen Römischen Altertümern (20,12,3) schreibt:

ἀναβάντων δὲ τῶν σὺν τῷ Πύρρῳ μετὰ τῶν ἐλεφάντων αἴσθησιν οἱ Ῥωμαῖοι λαβόντες σκυμνίον ἐλέφαντος τιτρώσκουσιν, ὃ πολλὴν ἀκοσμίαν τοῖς Ἕλλησιν ἐνεποίησε καὶ φυγήν: οἱ δὲ Ῥωμαῖοι δύο μὲν ἐλεφάντας ἀποκτείνουσιν, ὀκτὼ δὲ κατακλείσαντες εἰς χωρίον ἀνέξοδον παραδόντων τῶν ἐπ᾽ αὐτοῖς Ἰνδῶν ζῶντας παραλαμβάνουσι

 

Als Pyrrhus’ Truppen mit ihren Elefanten vorrückten, bemerkten die Römer sie und verwundeten ein junges Tier, was unter den Griechen große Unordnung und Panik auslöste. Die Römer töteten zwei Elefanten, schlossen acht in ein auswegloses Gehege ein und nahmen sie lebend gefangen, nachdem ihre indischen Mahouts kapituliert hatten.

Das verwundete Elefantenkalb dürfte sich also rechtzeitig zum Triumph erholt haben — und hoffentlich ein langes und friedliches Leben geführt haben, so lang wie ein Elefantenleben eben währt, wie der andere römische Kriegselefant in Spanien.

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