Das Initial der sogenannten Kaufmann-Haggada, die im 14. Jahrhundert in Katalonien entstand, zeigt einen König, der mit erhobenem Kelch den Segen spricht: BRWK, das heißt Baruk Adonai, „Gepriesen sei der Name des Herrn“. Der König ist höchstwahrscheinlich David, da das Bild in der Haggada, die die Liturgie des Seder-Abends zusammenfasst, direkt nach Psalm 113 steht, der David zugeschrieben wird:
Preis den Herrn!
Preis den Namen des Herrn!
Gepriesen sei der Name des Herrn jetzt und immerdar!
Vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne lobt den Namen des Herrn!
Der Herr ist hoch über allen Völkern,
seine Herrlichkeit ist über den Himmeln.
David Kaufmann (1852–1899), geboren in Böhmen, erhielt durch ein Auswahlverfahren den ersten Lehrstuhl des 1877 gegründeten Rabbinerseminars in Budapest. Voraussetzung dafür war, dass er perfekt Ungarisch lernte. Seine einmalige Sammlung mittelalterlicher hebräischer Handschriften hinterließ er der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. An deren Online-Ausgabe arbeiten wir derzeit mit Studiolum.
Das Initial dieses Segens haben wir als Emblem der Ausgabe gewählt, denn David Kaufmann identifizierte sich zumindest für einen Moment mit König David, als er vor Freude über den Erwerb der ältesten erhaltenen Mischnah-Handschrift – aus dem 10. Jahrhundert in Palästina – auf dem Vorsatzblatt sein eigenes Dankesgedicht unter dem Titel „Psalm Davids“ eintrug.
Diese Darstellung von König David – im eschatologischen Licht des Seder-Abends betrachtet – deutet zugleich schon auf seinen Nachfolger, den Messias, hin, wie das folgende wunderschöne chassidische Lied beschreibt:
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Perlenkette, goldenes Banner |
Shnirele perele, gildene fon |
Kata erzählt, dass als die Klezmatics Ende der 1980er – in den ersten Zeichen der Öffnung – in Budapest ein Konzert gaben, sie den ganzen Abend über mit modernen Klezmerstücken herumalberten, wie
Klezmatics: Man in a Hat (3'03") (vom Album Jews with Horns)
und am Ende plötzlich verstummten, um leise dieses Stück zu spielen: Dieses Jahr kommt der Messias.
Klezmatics: Shnirele perele (6'11") (vom Album Rhythm & Jews)
Das Publikum – Juden der zweiten oder dritten säkularisierten Generation – hörte ihnen ergriffen und in ehrfürchtiger Stille zu.





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